Covid-19: Eine langfristige Perspektive


Covid-19 hat unser Leben durchgeschüttelt. Dies haben auch die Finanzmärkte gespürt. Seit dem Tiefpunkt im März haben sich die Kurse – unter anderem aufgrund der starken Interventionen der Staaten und Zentralbanken – wieder stark erholt. Zeit sich Gedanken zu machen, wie sich Covid-19 mittel- bis langfristig auf unser Verhalten und damit auch auf die Märkte auswirkt.

Wenn wir über die mittel- bis langfristige Perspektive sprechen, stellt sich automatisch die Frage, wann diese Perspektive zum Tragen kommen wird. Normalität wie vor Covid-19 wird es wohl erst mit einem wirksamen Medikament und/oder einer Impfung geben. Selbst wenn dies innerhalb der nächsten zwölf Monate geschehen wird, gibt es aber bereits jetzt aufgrund von Covid-19 weitreichende Entwicklungen, von denen wir erwarten, dass sie unumkehrbar sind.

Bereits vorhandene Trends werden verstärkt

Die Digitalisierung war bereits vor der Corona-Krise DER Trend in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Umstände der vergangenen Monate werden diesen Prozess beschleunigen. Die Konsumentinnen und Konsumenten haben sich während des Lockdowns in vielen Ländern daran gewöhnt, online einzukaufen.  Anbieter haben im Spiegelbild dazu neue Vertriebskanäle gesucht und auch gefunden.

Darüber hinaus haben sich Millionen von Menschen oftmals von einem auf den anderen Tag ins Homeoffice zurückgezogen und haben virtuell mit ihren Kolleginnen und Kollegen zusammengearbeitet. In der Konsequenz werden Unternehmen profitieren, welche Dienstleistungen online anbieten oder die dafür nötige technische Infrastruktur zur Verfügung stellen können.

Einzelhandels- und Büroflächen unter Druck

Demgegenüber ist bei Immobilien im Bereich Einzelhandels- und Büroflächen von einem Nachfragerückgang auszugehen. Unternehmen und Arbeitnehmende haben erkannt, dass Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit besser funktioniert, als viele dies erwartet haben. Unternehmen werden auch angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds versuchen, ihre Mietkosten zu senken, was Homeoffice und SmartWork umso attraktiver macht. So planen gemäss einer Studie von Gartner 74 Prozent der befragten CFOs, gewisse Mitarbeitende in Zukunft von zu Hause aus arbeiten zu lassen.[1]

Vor diesem Hintergrund hat zum Beispiel das Startup WeWork, welches Büroflächen und Coworking Spaces anbietet, einen massiven Bewertungseinbruch erlebt (zugegebenermassen kamen hier neben Covid-19 auch Management-Probleme hinzu). Dass aber – wie von manchen Experten behauptet – Büroflächen künftig kaum mehr gebraucht werden, darf trotzdem bezweifelt werden.  

Schwellenländer verlieren Tourismus-Einnahmen

Neben der Art, wie wir arbeiten und einkaufen, hat sich in den letzten Monaten gezwungenermassen auch unser Mobilitäts- und Reiseverhalten verändert. Auch wenn in vielen Ländern der öffentliche Verkehr wieder in Fahrt kommt, die Grenzen langsam öffnen und das Flugangebot wieder hochgefahren wird, wird Covid-19 auch hier mittel- bis langfristige Folgen haben.

Viele Reisende werden in den nächsten Monaten und Jahren zum einen nach wie vor vorsichtig sein, wenn es ums Reisen nach Übersee geht. Zum anderen – und fast noch wichtiger – muss beachtet werden, dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten insbesondere bei den Reiseausgaben gespart wird. Vor allem Schwellenländer in (Südost-)Asien und Südamerika, für die der Tourismus eine wichtige Devisenquelle darstellt,  werden darunter leiden.

Mobilität wird sich individualisieren

Von der oben erwähnten Reisezurückhaltung werden selbstverständlich auch die Flugbranche und bis zu einem gewissen Grad auch der Bahnverkehr betroffen sein. Menschen sind im Lockdown auf individuelle Verkehrsmittel umgestiegen – sei es das Auto, das Motorrad oder das E-Bike – und werden dieses Verhalten beibehalten. So zeigt auch eine Konsumentenumfrage von Capgemini Invent, dass besonders für Junge das Auto wieder an Attraktivität gewonnen hat.[2]

So haben sich die zurückgelegten Kilometer mit Auto und Motorrad post-Lockdown deutlich rascher erholt als die ÖV-Kilometer.[3] Wir gehen fest davon aus, dass die Hiobsbotschaften der letzten Monate in der Autobranche bald von positiven Nachrichten abgelöst werden und auch E-Bike-Hersteller profitieren können.

Zusammenfassend gehen wir davon aus, dass Covid-19 vor allem als Katalysator dienen wird, um Trends, insbesondere im Digitalisierungsbereich, zu beschleunigen. Einzig im Tourismus- und Reisebereich könnte Covid-19 zu einer mittelfristigen Trendumkehr führen.

Im nächsten Blogbeitrag werden wir wieder eine kurzfristigere Perspektive einnehmen und ich werde einen Ausblick auf das dritte Quartal 2020 geben.