Wie sieht die Vermögensverwaltung der Zukunft aus?


Wie viele andere Branchen auch müssen sich Vermögensverwalter und Kundenberater immer schneller neuen Veränderungen stellen und anpassen, damit sie konkurrenzfähig bleiben. In meinem neusten Blog-Beitrag schreibe ich deshalb darüber, wie sich die Vermögensverwaltung in den kommenden Jahren wohl verändern wird und was das für den Einzelnen bedeuten kann.

Die rasanten Veränderungen und Umbrüche der vergangenen Jahre in der Finanzwelt, welche auch die Vermögensverwaltung stark wandeln lassen haben, werden auch in Zukunft unsere Branche stark verändern. Nur wer diese Neuerungen früh genug erkennt und sie als Chance sieht, wird auch künftig konkurrenz- und überlebensfähig bleiben. Aus meiner Sicht müssen wir Vermögensverwalter uns zwei grossen Megatrends stellen: Zum einen natürlich der Digitalisierung und zum anderen müssen wir uns auf weitere Regulierungswellen gefasst machen.

Die Chancen der Digitalisierung nutzen, anstatt sie zu verfluchen

Auch wenn unsere Branche sehr traditionsbewusst ist, müssen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen, um noch kundenfreundlicher, noch effizienter und noch zuverlässiger zu werden. Der immer grösser werdende Administrativ-Aufwand entzieht den Vermögensverwaltern mehr und mehr Ressourcen, welche ihnen anschliessend für die Betreuung der Kundschaft fehlt.

Applikationen bzw. digitale Lösungen können hier Abhilfe verschaffen. Sie unterstützen bei der Umsetzung administrativer Prozesse, kontrollieren die Einhaltung rechtlicher Vorgaben und können bei der Umsetzung neuer Regulierungen helfen. Nur so kann der unabhängige Vermögensverwalter der Zukunft auch überleben.

Mit Big Data können zudem bessere Erkenntnisse bezüglich der Kundenbedürfnisse und neuer Anlagechancen gewonnen werden. Der Umfang an verfügbaren Daten wächst rasant an. Beispielsweise durch sogenanntes Text Mining, der automatisierten Quantifizierung von Meinungen und Stimmungen aus Texten in öffentlichen und sozialen Medien, werden Texte sortiert, automatisch bewertet und in ein strukturiertes Format gebracht. Durch die richtige Interpretation der Daten durch den Berater können so fundiertere Prognosen erstellt werden, wo investiert werden soll.

Weiter werden die Robo-Advisors eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Mit ihren Fähigkeiten, eine Unmenge an Daten nicht nur zu sammeln, sondern gleichzeitig auch zu interpretieren und auf die Kundenbedürfnisse abzustimmen, beherbergen sie ein grosses Potential, um im Zusammenspiel mit dem Berater ein optimales Ergebnis für die Kundschaft zu erzielen. Gerade im Umgang mit den sogenannten «Digital Natives» dürfte die Roboadvisory eine interessante Rolle spielen.

Digital Natives verlangen neue Herangehensweise

Als Vermögensverwalter müssen wir es schaffen, diese Generation als neues Kundensegment zu erschliessen, was gerade von unserer Seite her gewisse Anpassungen und neue Denkweisen nötig macht. Denn Digital Natives kennen sich hervorragend in der digitalen Welt aus, informieren sich selbständig über die verfügbaren Produkte, wollen sich selbständig und jederzeit darüber informieren lassen, wie es um die eigenen Investitionen steht und möglicherweise auch gleich selber gewisse Bewegungen vornehmen.

Die Ära, in der man zwei Mal jährlich von seinem Berater informiert wird, ist definitiv vorbei. Gleichzeitig ist aber die Ära der persönlichen Kundenberatung nicht vorbei. Studien zeigen klar, dass Kunden nicht auf menschliche Expertise verzichten möchten, insbesondere wenn es um grössere strategische (und persönliche) Fragen geht wie die Nachfolgeplanung.

Gemeinsam mit der Roboadvisory und den zusätzlichen Applikationen, welche viele Standard-Arbeiten ersetzen und der Kundschaft mehr Transparenz liefern, wird der Kundenberater noch effizienter und somit mehr Zeit für genau diese individuelle Kundenbetreuung aufwenden.    

Softskills sind und bleiben wichtig

Dass der Vermögensverwalter komplett durch Robo-Advisors ersetzt wird, halte ich wie erwähnt für eine übertriebene Aussage. Natürlich bringen diese «Maschinen» einige kostensparende Vorteile mit sich, da Personalkosten tiefer ausfallen, weniger Büroflächen benötigt und gewisse Routinearbeiten fehlerfrei durchgeführt werden.

Jedoch sind wir überzeugt, dass die weichen Beurteilungskriterien eines Kunden bei der Auswahl seines Beraters weiterhin einen sehr hohen Stellenwert geniessen. Denn wer sein Geld fremden Händen anvertraut, will einen persönlichen Kontakt, eine Beziehung mit seinem Kundenberater aufbauen. Und genau das kann durch den Roboter nicht ersetzt werden.

Dadurch wandelt sich der Alltag des Vermögensverwalters durch ein enges Zusammenspiel zwischen den neuen Technologien und den Erfahrungen und Kenntnissen des Kundenberaters, um auch dem immer individuelleren Kundenbedürfnissen begegnen zu können. So erwartet der Kunde beispielsweise weiterhin, dass ich mich als Berater mit seiner Person und seinen Lebensumständen und wie sich diese auf seine finanziellen Bedürfnisse auswirkt, beschäftige.

Neue Marketingkanäle erschliessen

Nur durch die konsequente Digitalisierung der Kommunikationskanäle sowie die Automatisierung der Überprüfung der Regulierungen können die Vermögensverwalter der Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Gerade im Online-Bereich muss starke Präsenz markiert werden, um neuen Kunden gewinnen zu können. Sei dies durch aktive Bewerbung der eigenen Produkte im Netz oder schon alleine durch hohe Präsenz auf den Sozialen Medien.

Da sich gerade potenzielle Neukunden durch die hohe Transparenz im Internet bereits selber stark mit den Produkten auskennen und sich dementsprechend informieren, ist es umso wichtiger, dass die Soft-Skills des Kundenberaters umso besser ausgeprägt sind. Das persönliche Verhältnis zu seinem Kunden war, ist und bleibt zentral. Gerade durch individuelle Zusatzleistungen kann diese Bindung gestärkt und ausgebaut werden. Nur so kann sich ein Vermögensverwalter von der Konkurrenz abheben und im hart umkämpften Markt überleben.

Steigende Regulierungsdichte bleibt eine Herausforderung

Mit der Finanzkrise 2008 hat eine Regulierungswelle eingesetzt, welche auch für die unabhängigen Vermögensverwalter grossen Zusatzaufwand mit sich gebracht hat. Die ersten Auswertungen zu Mifid II haben gezeigt, dass der regulatorische Aufwand beträchtlich steigt, während der Nutzen für die Kundinnen und Kunden sehr beschränkt scheint. Auch wenn Fidleg und Finig um einiges schlanker und intelligenter gestaltet sind, bedeuten auch sie zusätzlichen administrativen Aufwand.

Weiter sind auf Seiten der EU und auch der OECD bereits nächste Regulationsprojekte in den Startlöchern. Hier wird es zentral sein, weiterhin konsequent zu digitalisieren und zu automatisieren und natürlich Gegensteuer zu geben gegen überbordernde Regulierung anzukämpfen. Wenn immer persönlichere Beratung gefragt ist und gleichzeitig die administrativen Aufwände steigen, laufen wir Gefahr zwischen Bürokratie und digitalen Beratungstool aufgerieben zu werden. Nur durch konsequente Automatisierung der administrativen Mehraufwände, können wir diesem Dilemma entkommen.

Nähere und persönlichere Beratung ist gefragt

Aus meiner Sicht die Zukunft der unabhängigen Vermögensverwaltung nicht in Gefahr ist. Dafür braucht es aber von der Branche grosse Anstrengungen, um die Chancen der Digitalisierung optimal zu nutzen. Dass gewisse Mitbewerber diesen Sprung nicht schaffen und eine gewisse Konsolidierung einsetzt, ist nicht ausgeschlossen.

Das richtige Zusammenspiel zwischen persönlicher Kundenbetreuung und den digitalen Hilfsmitteln wird dabei der Schlüssel zum Erfolg sein. Nur so können wir Vermögensverwalter auch den immer individuelleren Kundenbedürfnissen gerecht werden, unsere Rolle als nahe Berater perfekt ausspielen und die Zufriedenheit der Kundschaft nachhaltig sicherstellen.