Marktausblick 2026 – Aktualisierung Q3
von
Felix Ronner
Strukturelles Umfeld
- Politik: Das Zeitalter der Globalisierung wurde durch die Geo-Ökonomie abgelöst. Es kommt zu einer Politisierung der Handels- und Kapitalströme sowie einer Fragmentierung des Handels entlang geopolitischer Blöcke. Die Regelbindung der globalen Handelsarchitektur schwächt sich ab.
- Demographie: Die weltweiten Geburtenraten sind zuletzt stark gefallen. Dies kann zu gesellschaftlichen Spannungen führen und längerfristig das Trendwachstum zusätzlich belasten.
- Makro-Ökonomie: Hohe Verschuldung + demographische Entwicklung + geringer Produktivitätsfortschritt = niedriges Trendwachstum auf globaler Basis. Die hohe Verschuldung führt u.a. zu einer stärkeren Ungleichverteilung (Gini-Index). Dies ist einer der Gründe für Verschiebungen in den politischen Konstellationen (Polarisierung).
- Technologie & Energie: Die Künstliche Intelligenz (KI) führt zu einer technologischen und die Elektrifizierung zu einer energetischen Transformation der Weltwirtschaft.
Wirtschaft
- Die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen einem stagflationären Schock durch den Irankrieg und einer durch KI getriebenen Sonderkonjunktur.
- Aufgrund der geldpolitischen Lockerung vieler Zentralbanken sowie der fiskalischen Lockerung in den grössten Volkswirtschaften kann das globale Wachstum moderat zunehmen. Die Abwärtsrisiken sind jedoch erheblich.
- Die Produktivitätsfortschritte in den USA bleiben hoch, und das tatsächliche Wachstum kann im Jahresverlauf über Trend ansteigen. In Europa ist eine leichte Wachstumserholung zu verzeichnen, insgesamt bleibt die Wirtschaftsdynamik jedoch verhalten.
- Die schwache Binnennachfrage in China, bei gleichzeitig wachsenden Produktionskapazitäten, bedroht die Industriesektoren in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften.
- Die EZB kann die Zinsen mehrmals erhöhen. In den USA sind Zinserhöhungen makro-ökonomisch noch vor Jahresende angebracht. Aufgrund des neuen FOMC-Präsidenten und der Politisierung der Geldpolitik werden diese jedoch verzögert. Die Geldpolitik bedeutender Zentralbanken wird mittelfristig tendenziell zu locker ausgestaltet sein.
- Längerfristig dürfte die (staatlich gelenkte) Investitionstätigkeit zunehmen und das Wachstum unterstützen.
Einflussfaktoren
- Die geopolitischen Risiken (z.B. Iran, Ukraine, Israel, Türkei und Taiwan) haben zugenommen und dürften für einen längeren Zeitraum erhöht bleiben. Dies verstärkt den Trend zur Fragmentierung der globalen Handelsströme.
- Die politischen Risiken sind erhöht, insbesondere aufgrund des Aufstiegs EU-/Euro-kritischer Parteien in Europa sowie protektionistischer Massnahmen der US-Regierung. Eine erneute Akzentuierung des globalen Handelskrieges – vor allem zwischen den USA und China – würde nachhaltige Konsequenzen haben und schliesslich das globale Wachstum und die Finanzmärkte zusätzlich belasten. Das Risiko einer technologischen Entkoppelung zwischen den USA und China sowie einer wirtschaftlichen Blockbildung hat zugenommen.
- Eine Ent-Dollarisierung und allfällige Entkoppelung vom Westen im erweiterten Umfeld der BRICs-Staaten erscheint möglich, was allerdings in zwei sich neu konkurrierenden Währungssystemen münden würde.
- Die Polarisierung zwischen dem „Westen“ und dem „Globalen Süden“ kann langfristig die Finanzierung westlicher Schulden erschweren – auch aufgrund der Konfiskation von staatlichen Vermögenswerten.
- Die Fiskalpolitik wird zumeist expansiv gestaltet bleiben, und es dürfte keine Austeritätspolitik verfolgt werden.
Marktumfeld
- Aufgrund eines erhöhten Nominalwachstums und der KI-getriebenen technologischen Transformation bieten Aktien ein attraktiveres Risiko-/Ertrags-Profil als Anleihen.
- Der Ausblick für Aktien bleibt zwar volatil und von ausgeprägten Rückschlägen begleitet, langfristig ist er jedoch grundsätzlich positiv. Die Unternehmensgewinne können steigen und massgeblich zur Performance beitragen.
- Der Trend hin zu nachhaltigen Investitionen und „Green Finance“ wird sich über alle Asset-Klassen hinweg in den nächsten Jahren verstärken.
- Die Renditen von „sicheren“ Anleihen wie deutschen Bundesanleihen und US-Treasuries werden sich auf mehrjähriger Basis seitwärts entwickeln, im langen Kurvenbereich jedoch tendenziell ansteigen.
- Carry und Roll-Down bleiben für Fixed Income-Investoren wichtig. Fokus auf kurze und mittlere Laufzeiten bzw. gute Qualität und defensive Sektoren. Zurückhaltung am langen Ende.
- Wir sind dem Schweizer Franken gegenüber positiv eingestellt, sehen jedoch Abwärtsrisiken beim britischen Pfund.
- Langfristig weiterhin freundliches Umfeld für Edelmetalle.
Den ausführlichen Marktausblick mit Aktualisierung für das Q3 2026 können Sie hier herunterladen.